Bevor es jetzt zu Missverständnissen kommt: Ja, ich bezeichne Schüler gelegentlich als Saubazis. Auch mal als Mistkröten oder Ähnliches. Ja, ich meine das auch teils ernst. Ich denke, jeder, der mit anderen Menschen zu tun hat, kennt es, dass man sich einfach mal über irgendwas aufregt. Dann tut es ganz gut, sich verbal abregen zu können.
Ich sorge auf die Weise dafür, dass ich den Schülern auch morgen noch fair gegenübertrete.

Ich habe heute ganze drei Stunden Unterricht gehabt. Alle drei waren begrenzt lustig.

Die erste Lerngruppe hatte ich in Vertretung. Zuerst wollten sie mich davon überzeugen, dass sie heute schon zu viel Deutsch hätten, als ich ihnen erklärte, dass ich Mathelehrerin bin, hatten sie plötzlich doch Aufgaben. Normal. Trotz Sitzplans, hat es ewig gedauert herauszufinden, welcher Schüler wo sitzt und wie heißt. „Der Plan ist noch aus dem letzten Jahr.“ – „Aber ich bin X, er ist Y.“ Auch das kennt man aus Vertretungsstunden. Aber es nervt. Dass sie mir dann erzählten, sie müssten die Aufgaben in Partnerarbeit erledigen (wobei ich mir nicht so sicher bin), und der Lehrer habe sie in feste Paare eingeteilt, war bei mir Schicht. Ich habe ihnen gesagt, es bleibt jeder auf seinem Platz und könne mit seinem Sitznachbarn arbeiten. Die, die keinen haben, könnten sich mit ihrem nächsten einzeln sitzenden Nachbarn zusammentun. Erstaunlich, wie viele gute Freunde sich plötzlich gestritten hatten. Einige drohten, sie würden dann gar nicht arbeiten. Tja, ihre Zeit. Sie schafften es die gesamten 45 Minuten nicht, eine wirklich sinnvolle Arbeitsatmosphäre aufzubauen. Etwa die Hälfte der Klasse hat es außerdem nicht geschafft, in der Zeit drei Bilder zu beschreiben.

Die zweite Lerngruppe habe ich regelmäßig. Heute hatten wir fachgebundene Übungsstunde. Während einige wirklich rege arbeiteten, waren andere viel zu laut und arbeiteten gar nicht. Wenn sie mir in der kommenden Woche wieder so kommen, fliegen die ersten raus. Es lebe der Trainingsraum.

Zuletzt hatte ich noch eine freiwillige Übungsstunde in der 7. Klasse. Einigen war wohl nahegelegt worden, die Stunde zum Nachholen zu nutzen, da sie gefehlt hatten. Ich habe ihnen noch einmal erklärt, dass diejenigen, die zur Anwesenheit verpflichtet wurden, eine Unterschrift von mir brauchen. Keiner meldete sich.
Ansonsten bestätigten sie mal wieder ein Klischee: Die fünf Mädchen arbeiteten maßgeblich still an ihren Aufgaben und tauschten sich in brauchbarer Lautstärke zum Thema aus. Die sechs Jungs (in zwei Gruppen aufgeteilt) waren zu laut und arbeiteten wenig. Zwei erklärten mir, sie sollten Kopfrechnen üben, taten dies dann auch halbherzig. Drei zeichneten Deckblätter, einer schrieb einen Text ab, redete dabei aber viel.
Zwei keiften sich ständig an, das was sie sagten, hätte man mit viel gutem Willen und wenig Hinhören tatsächlich als arabisch interpretieren können. Ich persönlich bin aber sicher, dass es keinen Sinn dahinter gab, außer mich zu ärgern. Schließlich erklärte mir der eine, der andere sei erst vor zwei Wochen nach Deutschland gekommen und spräche nur Kurdisch. Glücklicherweise könne er ja übersetzen.
Spätestens an dieser Stelle hatten sie sich verraten, denn wir haben komplett neben den Regelklassen laufende Willkommensklassen.
Wie dem auch sei, ich bin herzlich gnatschig und werde mir für nächstes Mal eine bessere Taktik einfallen lassen.

Wenn die Schüler gegen mich Unterricht machen, mache ich gegen die Schüler unterricht. *hrhr*

Advertisements

Experiment: Doodle Notes – Teil 1

Bei uns ist nun die erste Schulwoche vorbei. Ich hatte bisher eine Doppelstunde in meiner lernschwachen Mathegruppe. Dieser Kurs existiert als zusätzliche Förderung neben dem regulären Mathematikunterricht, so dass ich hier keinem Lehrplan folgen muss.
Zu meiner großen Freude habe ich in der relativ kleinen Gruppe mit (bisher) ca. 12 Schülern außerdem eine Kollegin als Doppelsteckung.

Die ersten Erfahrungen

Da ich mich auf einen Smartboardraum vorbereitet hatte, dann aber doch eine altmodische Tafel hatte, musste ich an einigen Stellen improvisieren. Trotzdem hat es gut funktioniert. Ich persönlich habe dabei gelernt, mein Tafelbild noch übersichtlicher und bunter zu gestalten.
Nun aber zu den Schülern.

Die Schüler waren zunächst reserviert. Ich hatte ihnen ihr Arbeitsblatt ausgeteilt und ihnen mein Beispiel gezeigt, wie es fertig aussehen könnte. Trotzdem füllten sie das Blatt maßgeblich mit einem Stift aus – einem normalen Schreibstift.
Ich motivierte sie mehrfach dazu, Dinge auch bunt hervorzuheben.

Häufig stellten sie mir die Frage, wohin sie etwas schreiben sollen oder wie. Ich betonte immer wieder, dass es ihr Arbeitsblatt wäre, das sie so gestalten könnten, wie es ihnen am meisten hilft.
In diesem ersten Blatt ging es nun gar nicht um Mathematik, sondern darum, wie ihnen die Doodle-Arbeitsblätter dabei helfen sollen, Dinge besser zu behalten und zu lernen. (An dieser Stelle kam mir die Kollegin auch zugute, die Biologielehrerin ist, und so bei Fragen zum Vorgang im Gehirn besser und sicherer antworten konnte als ich selbst.)

Das zweite Arbeitsblatt befasste sich mit Brüchen. Wir haben es noch nicht ganz ausgefüllt. Ich denke, prinzipiell kann man etwa ein Doodle-Blatt pro Unterrichtsstunde schaffen, sofern man nicht vorher noch Organisation hat oder andere Dinge einen sofortigen Anfang verwehren.
Dieses zweite Blatt wurden von den Schülern deutlich bunter gestaltet.

Ich habe es zudem geschafft, sie zur Mitarbeit zu motivieren. Sie meldeten sich zu einem großen Teil und trugen gute Dinge bei.
Die interessante Frage ist nun, wie viel von dem, was wir in der letzten Stunde bearbeitet haben, wirklich bei ihnen hängen geblieben ist. Das werde ich in der nächsten Woche erfahren. Ich bin wirklich sehr gespannt darauf.

Für die nächste Stunde steht dann an, das Blatt zu Brüchen zuende zu bearbeiten, einige Übungen zum Erweitern und Kürzen auf normalen Arbeitsblättern.
Anschließend gibt es ein weiteres Doodle zum Thema „addieren und subtrahieren von Brüchen“, das ich diesmal komplett selbst erstellt habe.

Das Experiment Doodle möchte ich nun bis zu den Herbstferien laufen lassen. Sollte sich zeigen, dass es den Schülern nichts bringt, werde ich es dann abbrechen. Ansonsten geht es bis zu den Sommerferien mit diesem Projekt weiter.

Immerhin scheint es den Schülern aber Spaß zu machen. Am Ende der Stunde fragten mich einige Schüler, ob ich denn jetzt immer bei ihnen Unterricht hätte.

Doodle Notes

Bisher habe ich immer mal wieder auf Youtube bei ViHart Doodlemath geschaut. Ich fand ihre Ideen toll und habe es oft bedauert, dass ich die Videos für meine Schüler nicht nutzen kann, da ViHart leider sehr schnell spricht und meine Schüler auch mit langsamem Englisch Probleme haben.

Zum Ende der Sommerferien trudelte dann auf Twitter die Idee der Doodle Notes bei mir ein. Hintergrund dessen ist es, Arbeitsblätter so zu gestalten, dass sie dazu animieren, Dinge auszumalen, zu schraffieren, umranden und generell auf den Blätter „rumzukritzeln“.
Warum? Weil der Großteil dessen, was die Schüler lernen sollen, mit der linken Hirnhälfte erledigt wird. Durch die künstlerisch-kreative Betätigung soll nun auch die rechte Hirnhälfte aktiviert werden, um so durch die ganzheitliche Verwendung des Gehirns die Erinnerung zu stärken. Ich habe es bei mir angetestet und Tatsächlich etwas festgestellt.
Zudem gibt es Studien, die zeigen, dass diese Form von Kritzeleien, das Gehirn genug beschäftigen, um nicht einzuschlafen oder wegzudämmern, jedoch nicht genug, um vom Thema abzulenken.

Mein Vorhaben in diesem Jahr ist, die Doodle Notes mit der leistungsschwachen Mathegruppe in Klasse 9 zu verwenden. Die leistungsstarke Gruppe in Klasse 9 möchte ich dazu anhalten, ein Lerntagebuch zu führen, in dem sie Techniken der Doodle Notes verwenden. Eventuell auch Foldables und Ähnliche „Spielereien“.
Im Idealfall lernen sie so, sich selbst optische Trigger zu setzen, die ihnen das Lernen erleichtern.

Schade ist leider, dass diese Form des Unterrichtsmaterials erst langsam aus Amerika zu uns kommt. Bisher habe ich wenig bis gar keine deutschen Arbeitsbögen gefunden. Mit den englischen Blättern kann ich – aus naheliegenden Gründen – eben nicht arbeiten. So habe ich derzeit keine Motivation, mir die zu guten Preisen angebotenen Arbeitsbögen zu kaufen, da ich sie bei der Übersetzung ohnehin neu erstellen müsste.
Ich habe nun erstmal begonnen, einige Arbeitsblätter, noch den Originalen von MathGiraffe sehr ähnlich, zu erstellen. Später werde ich hoffentlich selbst kreativer und kann dann meine eigenen entwickeln.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich dieses Experiment in meiner Schule entwickeln wird.

Vorbereitung auf den Schulstart

So langsam ist es soweit. Die Ferien neigen sich dem Ende zu. Ich habe noch etwa anderthalb Wochen, bis die Schule wieder anfängt. Zumindest für uns Lehrer, die Schüler haben ja noch eine halbe Woche länger frei.

Mein Schuljahr wird beginnen mit einem Erste-Hilfe-Kurs (wie jedes zweite Schuljahr), einer Dienstbesprechung in Mathematik (wie jedes Jahr) und einer Besprechung mit den Kolleginnen, die sich dieses Jahr im Rahmen von WAT um die Computernutzung kümmern.
Zwischendrin läuft dann noch der normale Vorbereitungskram. Erste Kopien in den Druck geben, mal in den Informatikraum schauen, Bücher aquirieren und so weiter.

Doch so weit sind wir noch nicht. Ich bin gerade in der Vorbereitung. Gestern gab es Schulshopping. Ich habe neben einigem nützlichen Krimskrams einige Notizbücher gekauft (Herlitz). Den Einband kann man wiederverwenden, die Seiten innen auswechseln.
Das Heft in A6 wird mir als To-Do-Liste dienen.
Die Hefte in A5 sind für die Unterrichtsplanung. Ich schreibe mir gerne vorher den Ablauf der Stunde auf, so wie ich ihn gerne hätte (keine noch so gut geplante Stunde überlebt den Feindkontakt mit dem Schüler. 😉 ).
Das Heft in A4 hat einen Satz linierte und einen Satz karierter Blätter, die gelocht sind und an einem Perforationsrand abgetrennt werden können. So spare ich es mir, immer einen Block mit mir rumzuschleppen. Oder gar zwei.

Heute habe ich dann die erste Stunde mit meiner jetzt 8. Klasse soweit geplant. Außerdem habe ich das Plakat für Klasse 7 und 8 zum Thema Sachaufgaben bearbeiten gedruckt. Es ist fröhlich bunt gemalt und kann nun bei Gelegenheit im Copyshop auf A3 oder A2 vergrößert werden.
Außerdem habe ich ein Arbeitsblatt erstellt, dass die Schüler als Glossar nutzen sollen (Thema Sprachförderung), um neue Begriffe in einer Art Vokabelliste anzulegen. Ich habe eine Weile überlegt, ob sie sich dafür einfach ein Vokabelheft anschaffen sollen. Im Gespräch mit einer Kollegin, die das bereits an einer anderen Schule verwendet, habe ich mich dann dafür entschlossen, ihnen Blätter drucken zu lassen. Diese Blätter sollen farbig sein, so dass sie im Hefter auf den ersten Blick zu erkennen sind und „nicht so leicht vergessen werden können“. Natürlich bin ich mir bewusst, dass auch Hefter häufig mal vergessen werden.
Da wir an unserer Schule den Luxus einer Übungsmathestunde haben (also eine 5. Mathestunde pro Woche), die aber nur zum Üben, nicht zum regulären Unterricht genutzt werden darf, habe ich für diese Stunden eine Art Inhaltsverzeichnis erstellt. Vielleicht kann man es auch als eine sehr vereinfachte Art von Lerntagebuch bezeichnen. Auch diese Seite sollen die Schüler als farbiges Blatt bekommen. Sie sollen darin das jeweilige Datum der Stunde, das von ihnen bearbeitete Thema (z.B. Bruchrechnung), das verwendete Material (z.B. Arbeitsblatt oder Übungsheft) und die bearbeiteten Aufgaben (z.B. Nr. 1-3) aufschreiben. Der Vorteil ist, dass ich einen Überblick bekomme, wer wann was erledigt.
Diese beiden Blätter sind dann erstmal in der Testphase. Zusätzlich will ich wieder eine tägliche Übung machen. Auch dafür bekommen meine Schüler ein buntes Blatt, das sie abheften sollen (erfahrungsgemäß landen eigene Blätter sonst danach immer im Müll). Das lässt sich dann nach einer Einheit ebenfalls einsammeln und – zwar nicht im eigentlichen Sinne bewerten, aber – begutachten.

Nebenher ordne ich gerade meinen Explorariumskurs für die Oberstufe. Ich werde in diesem Jahr wohl das große Glück haben, einen Kurs zu leiten, der Anfänger (neu in Info), Fortgeschrittene (letztes Jahr im Anfängerkurs) und „Experten“ (letztes Jahr im Fortgeschrittenenkurs) umfasst. Diese drei Anforderungen unter einen Hut zu bringen, alle ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten entsprechend weiter zu fördern und zu fordern wird schon eine schöne Herausforderung werden. Mal ganz davon abgesehen, dass die Kurse eigentlich laut RLP unterschiedliche Inhalte hätten, die aber so aufeinander aufbauen, dass man auch nicht zuerst 3. und 4. Semester unterrichten kann und anschließend 1. und 2.
Manchmal ist es schon nicht leicht!

Als ich heute morgen in der Pause auf den Vertretungsplan schaute, hatte ich keine Vertretungen eingetragen.
Glücklicherweise schaute ich nach dem zweiten Block nochmal auf den Plan, sonst hätte ich die Vertretung in der 5. Stunde völlig übersehen. Es wäre ja auch nicht etwa so gewesen, dass ich im 3. Block eigentlich keinen Unterricht gehabt hätte und deshalb die zurückgegebenen Bücher meiner Klasse durchsehen und wegräumen wollte.

Ich kam dann sogar noch relativ pünktlich in der besagten Klasse an (die ja auch nur ganz am anderen Ende unseres großzügigen Geländes liegt). Die Erzieherin war begeistert, dass sie nicht die zigste Stunde in der Klasse halten sollte. In Anbetracht der Tatsache, dass morgen in der Klassenstufe Fußballturnier ist und es der letzte reguläre Schultag vor den Ferien ist, habe ich beschlossen, dass wir rausgehen. Die Kids waren begeistert.

Während wir noch dort saßen – eine Kollegin hatte ein ähnliches Schicksal ereilt – stand plötzlich eine Schülerin vor mir, die mir mitteilte, sie käme gerade aus dem Sekretariat, ich solle in der nächsten Stunde bei ihnen Vertretung machen.
Ich ging also anschließend noch in die andere Klasse und beaufsichtigte dort Brettspiele.

Fazit: Ich hatte heute 4 Stunden am Stück, gefolgt von einer Pausenaufsicht und drei weiteren Stunden am Stück. So macht der Tag Spaß.

Die Kollegin erzählte mir, während wir mal einige Minuten durchatmen konnten, dass sich eine Erzieherin bei ihr abfällig über das Rausgehen geäußert habe. Die Schüler würden ja nur noch rausgehen.
Letztlich stellt sich mir aber auch immer die Frage: Was soll man in einer Vertretungsstunde in einer Klasse, die man nicht kennt, in einem Fach, das man nicht unterrichtet, machen? Vor allem dann, wenn es der letzte reguläre Schultag vor den Sommerferien ist?